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Warum der Nahost-Konflikt eine Hungerkrise in Rekordausmaßen heraufbeschwört

Mit der zunehmenden Gewalt verschärfen Vertreibung, steigende Preise und gestörte Ernährungssysteme den Hunger – in der Region selbst und weit darüber hinaus. Diese Übersicht fasst die aktuelle Lage und ihre weitreichenden Folgen zusammen.
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A child from a displaced family warms by fire in Beirut, Lebanon. Photo: WFP/Arete/Ali Yunes
  • Kurz erklärt:

    • Der Konflikt im Nahen Osten zwingt Familien zur Flucht und schränkt den Zugang zu Nahrung massiv ein – der Hunger nimmt zu.
    • Unterbrochene Lieferketten sowie steigende Treibstoff- und Transportkosten treiben weltweit die Nahrungsmittelpreise in die Höhe.
    • WFP weitet Nahrungsmittel- und Bargeldhilfe aus und passt Lieferketten an, um lebensrettende Unterstützung aufrechtzuerhalten.
 

Was passiert im Nahen Osten – und warum wirkt sich das auf den weltweiten Hunger aus?

In Teilen des Nahen Ostens entwickelt sich eine humanitäre Krise, die sich rasant zuspitzt. Mit dem Anstieg der Gewalt werden Zivilist*innen zunehmend vertrieben, Lebensgrundlagen zerstört und der Zugang zu Nahrungsmitteln über Nacht eingeschränkt. Für viele Familien kommt das zu einer Zeit, in der sie ohnehin schon unter jahrelanger wirtschaftlicher Not, Konflikten oder früheren Vertreibungen leiden – ihre Fähigkeit, weitere Schocks abzufedern, ist extrem begrenzt.

Die Folgen bleiben nicht auf die direkt betroffenen Gebiete beschränkt. Der Nahe Osten ist zentral für globale Energie-, Handels- und Transportsysteme. Werden diese gestört, hat das weltweite Auswirkungen – und erhöht das Risiko von Hunger weit über die Region hinaus.

Wie erschwert die Eskalation den Zugang zu Nahrung in der Region?

Konflikte beeinträchtigen die Ernährungssicherheit auf unmittelbare und praktische Weise:

  • Vertreibung: Familien verlieren Zugang zu Arbeit, Land und Märkten. In Libanon verschärft massenhafte Vertreibung eine ohnehin schwere Wirtschaftskrise; hunderte Notunterkünfte öffnen, während die Bedürfnisse steigen.
  • Lieferketten: Unsicherheit und zerstörte Infrastruktur erschweren es, dass Lebensmittel die Läden erreichen – und Menschen die Lebensmittel. In Gaza hat die jüngste Eskalation den Zugang zu Nahrung massiv beeinträchtigt; Grenzschließungen verschärfen die Lage weiter.
  • Preisanstiege: Gestörte Grenzen und Märkte treiben die Preise nach oben – besonders für frische Lebensmittel. Selbst dort, wo begrenzter Zugang wieder möglich ist, bleiben Preise hoch und Waren knapp. In Iran führt eine hohe Lebensmittelinflation dazu, dass Familien kaum neue Schocks abfedern können. 

Warum betrifft der Konflikt im Nahen Osten Menschen weltweit?

Die Region ist zentral für globale Treibstoffversorgung und wichtige Schifffahrtsrouten. Werden diese Systeme gestört, steigen Transportkosten für Lebensmittel, Treibstoff und Güter wie Dünger drastisch.

Humanitäre Lieferketten sind derzeit so stark beeinträchtigt wie seit COVID‑19 und dem Krieg in der Ukraine nicht mehr. Sicherheitsrisiken in maritimen Korridoren führen zu Verzögerungen, Umleitungen und deutlich höheren Transportkosten für lebensrettende Hilfe.

Diese steigenden Kosten ziehen sich durch das gesamte Ernährungssystem – und treiben Preise auch in weit entfernten Ländern nach oben.

A person harvests cassava by hand in a dry field, pulling large roots from the soil as another stands nearby among leafy plants.
A farmer tends to land in Warrap State, South Sudan. Lack of fertilizer due to pipelines breaks threaten farmers' crops in sub-Saharan Africa. Photo: WFP/Kevin Gitonga 

Welche Länder sind am meisten betroffen? 

Staaten, die stark auf Importe von Nahrungsmitteln, Treibstoff und Dünger angewiesen sind, reagieren besonders empfindlich auf globale Preisschocks.

  • In Teilen Subsahara-Afrikas riskieren Landwirt*innen zum Beginn der Pflanzsaison, ihre Ernten nicht ausreichend behandeln zu können. Die Folge: geringere Erträge und höhere Lebensmittelpreise.
  • Schon kleine Preissteigerungen können Familien dort in eine akute Krise stürzen.

Auch in Teilen Asiens machen sich die Auswirkungen bemerkbar. Viele Länder sind auf Importe angewiesen, während Haushalte bereits mit einer schwachen Kaufkraft kämpfen. In Afghanistan kommt die aktuelle Lage zu zahlreichen bestehenden Krisen hinzu, darunter Konflikte mit Pakistan und zwei schwere Erdbeben im Jahr 2025. Eine weitere Eskalation könnte Afghan*innen in Iran zur Rückkehr zwingen – in ein Umfeld, in dem sie kaum Zugang zu Nahrung finden.

Diese Entwicklungen verstärken eine bereits globale Ernährungskrise, in der Konflikte, Klimaschocks und wirtschaftliche Erschütterungen zusammenwirken und den Hunger auf Rekordniveau treiben.

Wie reagiert WFP auf den Konflikt und seine Auswirkungen? 

WFP hat eine schnelle Einsatzreaktion aktiviert – gestützt auf langjährige Erfahrung in komplexen Notlagen sowie umfassende Vorsorgepläne und vorpositionierte Vorräte.

Beispiel Libanon: Innerhalb der ersten zwei Wochen erreichte WFP 230.000 Menschen mit Nahrungsmitteln und Bargeld und verteilte über 1 Million warme Mahlzeiten.

In allen betroffenen Ländern passt WFP seine Hilfe an die lokalen Gegebenheiten an:

  • Libanon & Iran: Die Märkte funktionieren, aber Kaufkraftverlust und Vertreibung belasten Familien. WFP weitet Bargeldhilfen aus, damit Menschen weiterhin vor Ort Lebensmittel kaufen können.
  • Gaza: Wo der Zugang stark eingeschränkt ist, setzt WFP weiterhin auf direkte Nahrungsmittelhilfe, um die Verletzlichsten zu erreichen.

Ein zentraler Teil der Arbeit von WFP ist das Offenhalten humanitärer Lieferketten weltweit. Als führende Organisation des humanitären Logistics Cluster koordiniert WFP den Einsatz mit anderen Hilfsorganisationen, teilt Infrastruktur, bietet Dienstleistungen an und stellt Fachwissen bereit. Angesichts wachsender Engpässe werden Lieferwege umgeleitet, alternative Korridore identifiziert und Prioritäten gesetzt, damit lebensrettende Nahrungsmittel trotz steigender Kosten ihr Ziel erreichen.

 

Welche Risiken bestehen, wenn sich die Eskalation fortsetzt? 

Sollte sich die Eskalation fortsetzen und die Treibstoffpreise hoch bleiben, könnten die Folgen für den weltweiten Hunger gravierend sein. WFP‑Analysen zeigen: Bis zu 45 Millionen weitere Menschen könnten aufgrund steigender Lebensmittel- und Treibstoffpreise sowie gestörter Lieferketten in akuten Hunger geraten – und die weltweite Zahl auf 363 Millionen Menschen steigen lassen.

Gleichzeitig belasten höhere Betriebskosten und extrem niedrige Finanzierungslagen die humanitäre Hilfe zusätzlich. Bereits jetzt sind WFP‑Transportkosten deutlich gestiegen – mit der Folge, dass mit bestehenden Mitteln weniger Nahrungsmittel gekauft und verteilt werden können.

Ohne verlässlichen Zugang, geschützte Infrastruktur und dringend benötigte Finanzierung könnten jüngste Fortschritte im Kampf gegen den Hunger in vielen der verletzlichsten Regionen der Welt rasch zunichtegemacht werden.

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