Katastrophenhilfe vor der Katastrophe

Veröffentlicht am 03 Dezember 2015

WFP-Exekutivdirektorin Ertharin Cousin: „Wir brauchen neue Ansätze. Nun können wir helfen, bevor eine Katastrophe passiert." Foto: WFP/Michael Huggins

Klimagipfel: WFP und DRK präsentieren Innovation im Kampf gegen Klimaschocks 

Das UN World Food Programme (WFP) und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) haben ein auf Klimavorhersagen basierendes System vorgestellt, das die humanitäre Hilfe stark verändern könnte: Die Nothilfe soll erfolgen und Gelder eingesetzt werden, bevor die Katastrophe passiert. Zugleich werden Vorsorge- und Resilienzmaßnahmen durch langfristige Förderung finanziert. 

Das WFP-Instrument FoodSECuRE (Food Security and Climate Resilience Facility) ermöglicht den Wandel des humanitären Systems weg von reaktiver Hilfe hin zu vorausschauender Unterstützung. Diese kann nicht nur mehr Menschen retten, sondern hilft auch die Widerstandsfähigkeit von Gemeinden im Katastrophenfall zu stärken und, wie WFP-Untersuchungen zeigen, die Kosten der Hilfe um bis zu 50 Prozent zu verringern. 

Sowohl FoodSECuRE als auch ein Programm des Roten Kreuzes in Uganda – eines von vielen Pilotprojekten – wurden in den vergangenen Wochen aktiviert, um auf klimabedingte Katastrophen, die dramatischen Vorhersagen für El Niño und extreme Wetterbedingen zu reagieren. 

In Guatemala und Zimbabwe wurden Gegenden, in denen das Dürrerisiko durch El Niño hoch ist, durch FoodSECuRE unterstützt: Landwirte lernten in Schulungen, dürreresistente Pflanzen anzubauen und neue landwirtschaftlichen Verfahren, um Wasser- und Bodenressourcen besser zu schützen. So haben die Menschen auch dann noch Essen auf dem Tisch, wenn die Ernte schlecht ausfällt. 

WFP-Exekutivdirektorin Ertharin Cousin erklärte: „Das humanitäre System kommt zunehmend an seine Grenzen – sowohl finanziell als auch operationell. Die wachsende Zahl der Klimakatastrophen erfordert Hilfe an immer mehr Orten und über längere Zeiträume hinweg. Wir brauchen neue Ansätze. Nun können wir helfen, bevor eine Katastrophe passiert. Dies ist der einzige Weg, der hilft, gefährdete Familien endgültig aus dem Teufelskreis von chronischem Hunger und Armut zu befreien. “ Um FoodSECuRE zu einem global wirksamen Instrument zu machen, müssten insgesamt 400 Millionen US-Dollar mobilisiert werden, fügte sie hinzu.  

In Uganda wurden Gelder aus einem neuen DRK-Fond zur Katastrophenvorbereitung freigegeben, die es ermöglichten, Hilfsgüter auf Basis von Überschwemmungsvorhersagen zu verteilen. Wenige Tage vor dem erwarteten Steigen des Wasserspiegels versorgten DRK-Mitarbeiter hunderte gefährdete Familien mit Tabletten zur Wasseraufbereitung und Materialien zum Hochwasserschutz. Dies ist Teil eines vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanzierten Projektes. 

Das DRK betreibt sieben dieser innovativen Projekte auf der ganzen Welt. Zugleich leitet es den Aktionsplan des deutschen Außenministeriums zur Anpassung der Humanitären Hilfe an den Klimawandel in dessen Rahmen vorhersagenbasierte Finanzierung in Pilotprojekten des WFP und DRK in Bangladesch, der Dominikanischen Republik, Haiti, Mozambik, Nepal, Peru und den Philippinen erprobt werden.

„Indem wir auf hochmoderne Wetter- und Klimaprognosen zurückgreifen, können wir uns aktiv auf Katastrophen vorbereiten“, sagt Garry Conille, Untergeneralsekretär der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung (IFRC). „Was wir jetzt brauchen ist eine umfassende Strategie, um die Entwicklung und Durchführung von prognosegestützten Finanzierungssystemen auf nationalem und internationalem Level zu finanzieren.“ 

Helfen Sie uns helfen: de.wfp.org/nothilfe