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Drei Jahre Krieg im Sudan: Im Stich gelassen und vom Hunger bedroht

Nord-Darfur, Sudan - Am Vorabend von drei Jahren verheerenden Krieges sind die Menschen im Sudan weiterhin heftigen Kämpfen und massenhaftem Leid ausgesetzt. Der Konflikt fordert unzählige zivile Opfer und lässt Millionen Menschen ohne ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln, Schutz oder sanitären Einrichtungen zurück, warnte das UN-Welternährungsprogramm (WFP) heute.

„Die internationale Gemeinschaft hat versagt, diesen Konflikt zu verhindern, zu beenden und die Menschen im Sudan vor Gräueltaten zu schützen“, sagte Carl Skau, Stellvertretender Exekutivdirektor von WFP, der gerade aus Darfur zurückgekehrt ist. „Die Menschen, die ich in den Camps getroffen habe, sind durch die Hölle gegangen. Sie mussten aus ihrer Heimat fliehen, alles zurücklassen und leben nun unter katastrophalen Bedingungen. Sie verdienen so viel mehr. Wir müssen sicherstellen, dass sie nicht erneut im Stich gelassen werden, und ihnen die grundlegende Unterstützung zukommen lassen, die sie dringend brauchen.“

Mehr als 19 Millionen Menschen im Sudan leiden weiterhin unter akutem Hunger. In Teilen des Landes droht nach wie vor eine Hungersnot, während Gewalt, Vertreibung und wirtschaftlicher Zusammenbruch anhalten. Ganze Gemeinschaften sind von Nahrungsmitteln, Märkten und Hilfsleistungen abgeschnitten, und Kinder haben seit drei Jahren keine Schule besuchen können – ihre Zukunft hängt am seidenen Faden. Der Sudan bleibt die größte humanitäre Krise weltweit: Fast zwei Drittel der Bevölkerung sind inzwischen dringend auf Hilfe angewiesen, um zu überleben.

Die Hungerkrise im Sudan droht sich nun zusätzlich durch die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten zu verschärfen. Störungen im Roten Meer verzögern wichtige Importe und treiben die Preise für Nahrungsmittel, Treibstoff und Düngemittel weiter in die Höhe. Die Treibstoffpreise im Sudan sind um mehr als 24 Prozent gestiegen – mit unmittelbaren Folgen für die Lebensmittelpreise und für Millionen Menschen, die sich selbst die einfachsten Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten können.

Dieselben Störungen beeinträchtigen auch die humanitären Einsätze direkt: Lieferungen verzögern sich, die Transportkosten steigen. In ihrer Gesamtheit könnten diese Entwicklungen Familien im ganzen Land noch tiefer in Hunger und Unsicherheit treiben.

„Frauen, mit denen ich im Sudan gesprochen habe, berichteten mir, dass sie nicht genug Nahrung für ihre Kinder haben und keinen Zugang zu den grundlegendsten Dienstleistungen“, warnte Skau. „WFP und die humanitäre Gemeinschaft verfügen über die Erfahrung und die Kapazitäten, unsere Hilfe deutlich auszuweiten. Doch dafür müssen humanitäre Hilfsgüter frei, sicher und in ausreichendem Umfang bewegt werden können – und wir brauchen deutlich mehr finanzielle Unterstützung.“

WFP priorisiert derzeit besonders stark von Hungersnot betroffene Regionen und schwer erreichbare Gebiete und erreicht jeden Monat 3,5 Millionen Menschen mit Nahrungsmitteln, Bargeldhilfe und Ernährungsunterstützung. Zwei Drittel der Menschen, die WFP unterstützt, leben in Darfur und Kordofan – Regionen, in denen eine Hungersnot bestätigt ist und in denen die Kämpfe am heftigsten sind. Im vergangenen Jahr erhielten mehr als zwei Millionen Kinder unter fünf Jahren sowie über 500.000 schwangere und stillende Frauen und Mädchen Ernährungsunterstützung.

Darüber hinaus stärkt WFP nachhaltig Lebensgrundlagen und lokale Ernährungssysteme: Während der vergangenen Erntesaison produzierten von WFP unterstützte Bäuer*innen nahezu ein Fünftel des landesweiten Weizens. Dies stärkte die lokale Wirtschaft und trug dazu bei, Ernährungsunsicherheit zu verringern.

„Wir müssen weiterhin in die Zukunft der Menschen im Sudan investieren“, sagte Skau. „Wir können Gemeinschaften dabei unterstützen, ihr Leben wieder aufzubauen – indem wir Bäuer*innen helfen, erneut eigene Nahrungsmittel anzubauen, und indem wir Schulmahlzeiten bereitstellen, damit Kinder wieder zur Schule gehen können. Dafür brauchen wir jedoch die notwendigen finanziellen Mittel.“

Aufgrund fehlender Mittel ist die Ernährungshilfe von WFP seit Januar im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent zurückgegangen. Um die lebensrettenden Einsätze im Sudan in den kommenden sechs Monaten aufrechterhalten zu können, benötigt WFP dringend mehr als 600 Millionen US‑Dollar.

Hinweis für Redaktionen:

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Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) ist die größte humanitäre Organisation der Welt im Kampf gegen den Hunger. Wir retten Leben in Notfällen und ebnen mit Ernährungshilfe den Weg zu Frieden, Stabilität und Wohlstand für Menschen, die von Konflikten, Katastrophen und den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind.

Folgen Sie uns auf X (vormals Twitter) @WFP_DE

Themen

Sudan Konflikte Zero Hunger Nahrungsmittelpreise

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