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Fastenbrechen während COVID-19 im Irak

Wie eine Familie im COVID-19-Lockdown im irakischen Kurdistan das Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan feiert und wie WFP ihr hilft.
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Hadiya bereitet Iftar zu, die Hauptmahlzeit des Fastentages nach Sonnenuntergang. Für die Familie kocht sie typische syrische Gerichte. Foto: WFP/Shadi Ahmed


Hadiya trotzt den Vorurteilen über Flüchtlinge. Sie ist berufstätige Mutter zweier Kinder, hat mehrsprachige Literatur studiert, ist Hauptverdienerin ihrer Familie und Krebs-Überlebende — alles im Alter von 31 Jahren. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei kleinen Kindern in einem Flüchtlingscamp eine halbe Stunde von Erbil, der Hauptstadt der irakischen Region Kurdistan. Die meisten syrischen Flüchtlinge im Irak kamen vor mehr als sechs Jahren an und konnten wegen anhaltender Unsicherheit nicht nach Hause zurückkehren.


In Hadyas Flüchtlingscamp leben 8.400 Menschen. Bis vor kurzem hat WFP 41.000 syrische Geflüchtete in Camps in der irakischen Region Kurdistan unterstützt. Aufgrund von COVID-19-Beschränkungen haben viele Familien ihre Einkommensgrundlagen verloren. WFP und seine Partner bauen die Ernährungshilfe aus, um weitere 35.000 Geflüchtete und 10.000 Vertrieben zu erreichen.


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Hadiya und ihre Familie beim Fastenbrechen während Ramadan. Foto: WFP/Soma Ahmed


„Unsere Heimatstadt ist Qamishli im Nordosten Syriens, aber wir mussten vor dem Krieg fliehen und haben hier Zuflucht gefunden", sagt Hadiya. „Es war nicht einfach durch die neuen Sicherheitsprobleme, meine Gesundheit…und jetzt den Ängsten vor dem Coronavirus. Eine Sache kommt nach der anderen. Aber im Großen und Ganzen hatten wir Glück — und daran erinnere ich mich jeden Tag."


Nach ihrem Abschluss an der Universität von Damaskus kehrte Hadiya zu ihrer Familie nach Quamishli zurück und traf ihren zukünftigen Ehemann Shadi. Doch bevor sie ihr gemeinsames Leben beginnen konnten, brach Gewalt aus. Sie brachen mit Hadiyas Schwester in den Irak auf. Kaum hatten sie sich eingelebt, wurde bei ihr Leukämie diagnostiziert.


„Ich war immer gesund und stark, deshalb war es ein großer Schock. Für uns alle.", sagt sie. „Und ich war so jung, gerade mal in meinen Zwanzigern. Mein Mann und meine Schwester — meine ganze Familie — haben mich sehr unterstützt. Die Krankheit und die Behandlung war eine schreckliche Erfahrung. Aber ich habe mich langsam erholt und habe jetzt zwei gesunde Kinder."


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Hadiyas Gesicht strahlt. Es grenzt an ein Wunder, dass sie vollständig gesund geworden ist. „Es war sehr hart", sagt sie. „Für die Geburt meines ersten Kindes Soma bin ich zurück nach Qamishli gegangen, um in der Nähe meiner Mutter zu sein. Die Geburt lief zum Glück gut, aber ich bekam einen schweren Infekt, der nicht vor Ort behandelt werden konnte."


"Ich kam krank nach Erbil zurück und verbrachte vier Monate im Krankenhaus — getrennt von meiner kleinen Tochter. Meine Schwester gelang es, Soma von Qamishli nach Erbil zu bringen. Sogar dann musste ich im Krankenhaus bleiben und sah sie nur ein paar Tage, gefolgt von wochenlanger Trennung. Stell dir die Erleichterung und das Glück vor, als wir endlich wieder vereint waren."


Jahre später geht Hadiya immer noch zu Kontrolluntersuchungen, aber COVID-19 hat diese vorerst auf Eis gelegt. „Wir bewegen uns so wenig wie möglich. Es ist besser zu warten, bis es wieder sicherer wird", sagt sie. „Die Mitarbeiter, die im Camp helfen, versuchen auch, uns zu schützen. Sie tragen Masken und Handschuhe, halten Abstand und vermeiden, dass sich Menschenmengen bilden."


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Mobile Bargeldhilfe in Aktion. Foto: WFP/Photo Library


Das UN World Food Programme stellt Hadiyas Familie monatlich eine Bargehilfe mittels mobiler Überweisungen zur Verfügung. Damit können sie im Camp mit ihrem Telefon einkaufen. „Die Hilfe durch das Handy bedeutet, dass ich das Essen kaufen kann, das meine Familie benötigt und gleichzeitig kaufen kann, was wir mögen — zum Beispiel Zutaten für traditionelle Gerichte, die ich für das Iftar und Sahur zubereite", sagt sie. Iftar und Sahur sind die Abend- und Morgenmahlzeiten nach dem Sonnenuntergang und vor dem Sonnenaufgang während des muslimischen Fastemonats Ramadan. „Ich kaufe die Zutaten in den Lebensmittelgeschäften des Camps ein, oder mein Mann kauft sie in dem Geschäft, in dem er arbeitet."


Shadi begann seine Teilzeitbeschäftigung im Februar, kurz vor dem Ausbruch. „Es ist so schwer, in der anhaltenden Krise in unserer Region Arbeit zu finden", erklärt Hadiya. „Wir sind dankbar. Auch wenn ich einen Hochschulabschluss habe, gibt es nur wenige Möglichkeiten. NaTakallam wurde uns sehr empfohlen".


Die preisgekrönte Lernplattform bietet Geflüchteten die Möglichkeit, Sprachunterricht online zu geben. Das Besondere an der Technologie ist, dass man überall leben kann, die einzige Barriere ist die Zeitzone. „Ich unterrichte Arabisch in Teilzeit für NaTakallam und bin erleichtert, während der Pandemie etwas weiterarbeiten zu können."


Auch mein Mann hat Glück — seine Arbeit wurde nicht unterbrochen, denn Menschen müssen immer Essen kaufen. Aber ich kenne viele Menschen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben oder die Pläne für Arbeit hatten, die scheiterten. Es ist so schwer, seine Familie ohne ein volles Einkommen zu ernähren, und besonders dann, wenn man seinen Kindern ein schönes Zuckerfest bereiten will".


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Die hausgemachte Mahlzeit der Familie. Foto: WFP/Hadiya Ahmed


Mit der Ausgangssperre ist das Zuckerfest, Eid genannt, dieses Jahr ganz anders. „Wir haben schon früher mit den Vorbereitungen begonnen: Wir haben mit den Kindern Karten gebastelt und einige wichtige Zutaten für unsere Eid-Gerichte besorgt. Ich vermisse meine Mutter und meinen Vater in Syrien so sehr. Jetzt vermisse ich auch meine Verwandten hier im Irak, normalerweise haben wir ein größeres Familienfest. Zum Zuckerfest werden wir uns dieses Jahr gegenseitig anrufen und meine Kinder werden alle Verwandten mit einem kurzen Videoanruf beglückwünschen. Gott sei Dank gibt es Technologie, damit wir in Sicherheit bleiben können. Damit ich unterrichten kann. Und dass unsere Familie Hilfe erhalten kann."


Hadiya bleibt positiv. Sie sagt: „Ich freue mich auf einen Neuanfang nach Eid. Mit guter Gesundheit und besseren Zeiten für alle. Ich gebe niemals auf."


Wir danken dem deutschen Auswärtigen Amt, USAID FFP, Japan, Kanada, Belgien, Italien, Irland, der Republik Korea und der Schweiz für die anhaltende Unterstützung der Menschen, die WFP im Irak erreicht — auch während der Covid-19-Krise.