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Im Interview: Sabine Starke — Government Partnerships Officer in Berlin

, Katharina Dirr

Das UN World Food Programme (WFP) finanziert sich ausschließlich durch freiwillige Spenden. Über 90 Prozent der Gelder, die WFP zur Verfügung stehen, stammen von Regierungen. Jeden Tag stehen WFP-Kollegen in Kontakt mit relevanten Ministerien und werben gezielt Mittel ein. Wie ihr Arbeitsalltag aussieht, erklärt Sabine Starke im Interview.



1. Was sind Ihre Aufgaben als Government Partnerships Officer?


Als Government Partnerships Officer bei WFP Berlin bin ich gemeinsam mit meinen Kollegen für die Verhandlungen mit der deutschen, österreichischen und liechtensteinischen Regierung zuständig. Unser Ziel dabei ist es, finanzielle aber auch politische Unterstützung für WFP-Programme weltweit einzuwerben. Zu meinen Aufgaben gehört, dass ich die zuständigen Ministerien — in Deutschland sind das das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und das Auswärtige Amt — beständig über unsere Einsätze vor Ort informiere. Aktuell sind die großen Krisen wie Syrien oder der Südsudan besonders von Interesse. Außerdem bin ich dafür zuständig, sämtliche Fragen der Ministerien über WFP zu beantworten. Dabei kann es zum Beispiel um die humanitäre Situation in Nigeria gehen, die Mangelernährungsraten im Jemen oder Strategien für Versicherungen gegen Folgen des Klimawandels. Um die richtigen Antworten zu finden, bin ich oft in Kontakt mit Kollegen auf der ganzen Welt. Zu meinem Arbeitsalltag gehört auch, dass ich für hochrangige Treffen zwischen WFP-Kollegen und unseren Gebern Hintergrundinformationen vorbereite. Außerdem begleite ich regelmäßig die deutsche Delegation bei Sitzungen des WFP-Exekutivrats in Rom oder auf Projektbesuchen im Feld.


2. Warum haben Sie sich entschieden, für die Vereinten Nationen (UN) zu arbeiten?


Ich habe nach einem Volontariat und einem Studium der Angewandten Kulturwissenschaften zunächst als Projektmanagerin für ein internationales Urban Art Projekt gearbeitet, bevor ich auf das Carlo-Schmid-Programm aufmerksam wurde. Da ich großes Interesse daran hatte, in einem internationalen Umfeld zu arbeiten und UNHCR Tansania mir ein Fellowhip im Bereich External Relations anbot, wo ich auch meine kulturwissenschaftlichen Kenntnisse einbringen konnte, war der Wechsel zur UN für mich sehr bereichernd. Mir gefällt an meiner Arbeit, dass ich ich das Gefühl habe zu einem großen und wichtigen Ziel beizutragen. WFP erreicht ja im Schnitt 80 Millionen Menschen im Jahr durch seine humanitären und entwicklungsorientierten Programme.


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Welche Wirkung hat die Hilfe von WFP? Sabine Starke interviewt Familien, die in Guatemala mit Unterstützung von WFP ihre Gemüsegärten ausbauen konnten. Foto: WFP/Alice Golay


3. Wie kamen Sie zu WFP?


Nach meinem Carlo-Schmid-Fellowship 2010 bei UNHCR in Tansania bin ich als United Nations Volunteer (UNV) für ein Programm zur lokalen Integration burundischer Flüchtlinge übernommen worden. Zweieinhalb Jahre später habe ich dann als Junior Professional Officer (JPO) zu WFP in das Berliner Büro in den Bereich Government Partnerships gewechselt. Wieder zwei Jahre später ging es dann für mich in das WFP Regionalbüro nach Panama, wo ich als Programme Officer for Monitoring & Evaluation in Lateinamerika und der Karibik tätig war. An meine Zeit als JPO hat sich dann eine feste Stelle als Government Partnerships Officer bei WFP Berlin angeschlossen. In absehbarer Zeit werde ich wieder ins Feld gehen, da ich einen Rotationsvertrag habe.


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Sabine Starke im Südsudan. WFP unterstützt dort jeden Monat rund vier Millionen Menschen, um eine Hungersnot abzuwenden. Foto: Stephanie Jenzer


4. Was war bisher Ihre größte Herausforderung?


Meine größte Herausforderung bisher war ein dreimonatiger Einsatz im Südsudan. Ich habe dort 2017 den WFP-Nothilfeeinsatz gegen die Hungersnot in den Bereichen Government Partnerships und Communications unterstützt. Die humanitäre Lage war gerade besonders dramatisch und wir hatten extrem viele Anfragen und Besuche von Regierungs- und Medienvertretern. Ich war deshalb selbst mehrmals mit Partnern und Journalisten im Land unterwegs und habe gesehen, wie Nahrungsmittel aus der Luft abgeworfen wurden und Familien Unterstützung erhielten. Das hat mich sehr beeindruckt. Wir haben mobile Teams im Südsudan, die unter Teils sehr harschen und gefährlichen Bedingungen arbeiten. Sie werden mit Helikoptern abgesetzt, da der Landweg unpassierbar oder zu gefährlich ist, schlagen ihr Zeltlager auf und organisieren innerhalb weniger Tage Ernährungshilfe für zehntausende Menschen, die akut Hunger leiden.


5. Welchen Rat haben Sie für andere, die in einer internationalen Organisation arbeiten wollen?


Einen langen Atem haben und nicht aufgeben. Der Einstieg ist oft nicht einfach. Ich würde Berufsanfängern, die sich für eine Karriere bei internationalen Organisationen interessieren, deshalb eine Bewerbung beim Carlo-Schmid-Programm empfehlen. Das hat einen sehr guten Ruf und man kann sich sowohl auf ausgeschriebene Carlo-Schmid-Stellen bewerben, aber auch einen eigenen Fellowship-Vorschlag einreichen. Zudem wird man Teil eines sehr hilfreichen Netzwerkes über das man Erfahrungen und Kontakte austauschen kann. Interessierten mit Berufserfahrung würde ich wiederum das JPO-Programm des Büros Führungskräfte zu Internationalen Organisationen (BFIO) empfehlen. WFP schreibt über beide Programme immer wieder Stellen aus und auch das Berliner WFP-Büro bietet regelmäßig sechsmonatige Praktika-Stellen an.