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3 Fakten über Hungersnöte — und wie man sie verhindern kann

Wir räumen mit den Mythen über den Hunger und die Krankheit auf, die 34 Millionen Menschen töten könnte
, By Livia Hengel
Helicopter above large group of people
Ein WFP-Helikopter landet 2017 in Thonyor Payam, in der südsudanesischen Region Leer, als eine Hungersnot im Südsudan ausgerufen wurde. Foto: WFP/George Fominyen

Erschütternde 34 Millionen Menschen in 20 Ländern stehen am Rande einer Hungersnot. Damit wir den großen Verlust von Menschenleben verhindern können, muss sofort gehandelt werden. Im Jemen und im Südsudan leben bereits 155.000 Menschen in einer Hungersnot oder unter Bedingungen, die ihr gleichen, da sie durch Konflikte, Unsicherheit und die daraus resultierende Vertreibung unmittelbar vom Hungertod bedroht sind.

Tragischerweise bedeutet der Mangel an Ressourcen, dass das UN World Food Programme (WFP) Nahrungsmittel je nach Bedarf umverteilen muss, wie es in der vergangenen Woche im Südsudan der Fall war. „Es ist eine sehr schmerzhafte Entscheidung, von den Hungrigen zu nehmen, um den Verhungernden zu geben, aber das ist die Realität“, sagt WFP-Landesdirektor im Südsudan Matthew Hollingworth.

In 2021 benötigt WFP allein 5,5 Milliarden US-Dollar, nur um Hungersnöte abzuwenden und die dringenden Ernährungsbedarfe von mindestens 30 Millionen besonders gefährdeten Menschen zu decken. Das ist etwa ein Drittel unseres gesamten Finanzierungsbedarfs.

Auch steigende Nahrungsmittelpreise und die Inflation vieler Währungen tragen zur Hungerkrise bei und so müssen wir uns auch im 21. Jahrhundert mit dem Thema Hungersnot auseinandersetzen — und das in einer Welt des Überflusses. Wenn es um Hungersnöte geht, gibt es noch immer grundlegende Missverständnisse. Diese Missverständnisse auszuräumen, ist ein wichtiger Schritt, um die aktuelle Notlage von Millionen Menschen besser zu verstehen.

3 Mythen über Hungersnöte
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Simbabwe: Aufgereihte Rationen im dürregeplagten Rushinga. Foto: WFP/Adrienne Bolen
1. Hungersnöte werden vor allem durch Klimakatastrophen verursacht

Obwohl Hungersnöte früher vor allem durch Klimaschocks wie Dürren verursacht wurden, sind heute Konflikte die größte Hungerursache. Die letzte offiziell erklärte Hungersnot fand 2017 im Südsudan statt und wurde eindeutig durch Konflikte ausgelöst. Um Hungersnöte abzuwenden, brauchen wir ein Ende der Konflikte. Darüber hinaus betrachtet WFP Frieden als grundlegend für die Beendigung des Hungers. Für unsere Arbeit in diesem Bereich wurde WFP 2020 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Kaya, Burkina Faso, in March last year
Burkina Faso: Eine Nahrungsmittelverteilstelle in Kaya. Foto: WFP/Mahamady Ouedraogo

Rund zwei Drittel der lebensrettenden WFP-Ernährungshilfe gehen an Menschen, die sich in schweren, meist durch Konflikte verursachten Ernährungskrisen befinden. Dort, wo Klimawandel, der nach wie vor ein großer Treiber des Hungers ist, auf einen Konflikt und nun auf die COVID-19-Krise trifft, entsteht Chaos.

Mit ausreichender Finanzierung und Zugang hat WFP die Expertise, die Präsenz vor Ort und die operative Reichweite, um Hungersnöte zu stoppen und Menschen vor dem Hungertod zu bewahren. Wir leisten Ernährungsnothilfe, fördern aber auch die längerfristige Eigenständigkeit der Bedürftigen, indem wir die Bildung, Ernährung, Lebensgrundlagen und sozialen Sicherheitsnetze stärken. Außerdem unterstützen wir Regierungen dabei, die Gefahr von extremem Hunger, der zu einer Hungersnot führen kann, vorauszusehen und zu verhindern.

A woman with whose 10-month-old boy is suffering malnutrition at a WFP supported clinic in Al Dhale. Photo: WFP/Saleh Bin Haiyan
Jemen: Eine Frau in einer von WFP unterstützten Klinik in Al Dhale. Ihr 10 Monate alter Sohn leidet an Mangelernährung. Foto: WFP/Saleh Bin Haiyan
2. Menschen sterben erst, nachdem eine Hungersnot ausgerufen wurde

Wenn eine Hungersnot ausgerufen wird, ist es bereits zu spät — Menschen sterben bereits an Hunger. Mit gesicherter Finanzierung und Zugang zu Hilfsgütern, verfügt WFP jedoch über das Know-how, um Hungersnöte zu stoppen und zu verhindern. WFP leistet im großen Umfang Hilfe, um Menschen vom Rande des Hungers fernzuhalten, und stärkt ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Schocks, die durch Konflikte, den Klimawandel oder Krankheiten verursacht werden. Unser mächtigstes Werkzeug? Der Zugang zu und das Wissen über die am meisten gefährdeten Menschen. Vor zwei Jahren haben wir unsere Ernährungshilfe von einer Million Menschen in 2015 auf fast 13 Millionen in 2019 aufgestockt. Damit konnten wir eine Hungersnot im Jemen abwenden und gleichzeitig der gesamten humanitären Gemeinschaft eine Plattform bieten, ihre Hilfsprogramme zu stärken.

Wenn wir angesichts der aktuellen Hungerbedarfe nicht handeln, wird der Preis des Nichtstuns unweigerlich an der Zahl der sterbenden Menschen gemessen. Hinzu kommen die langfristigen wirtschaftlichen Folgen wie Produktivitätsverluste und steigende Gesundheitskosten. Die Kosten für den Verlust des Humanpotenzials einer ganzen Generation sind für die ohnehin schon ärmsten Länder der Welt unkalkulierbar.

Mit sechs Jahrzehnten Erfahrung steht WFP bei der Bekämpfung von Hungersnöten an vorderster Front und kann aus einer einzigartigen Position heraus in die dringlichsten Notsituationen der heutigen Zeit eingreifen. Die Logistik- und Lieferkettenkapazitäten von WFP sind in der Lage, riesige Mengen an Nahrungsmitteln dorthin zu bringen, wo sie am dringendsten benötigt werden — in extremen Fällen mit Hilfe von Luftabwürfen und Lufttransporten. Unser Wissen über die Bedarfe einer Bevölkerung ermöglicht eine abgestimmte Vorgehensweise für alle Partner, die den Rückfall in Hungersnöte verhindern kann.

Children take a lunch of sorghum in Bilkey Payam, Akobo county, Jonglei, South Suday in January
Südsudan: Kinder in Akobo East, Jonglei, verzehren eine Mahlzeit aus Sorghum mit lokalen Früchten — die letzte Hungersnot im Land wurde 2017 ausgerufen. Foto: WFP/Marwa Awad
3. Während einer Hungersnot ist der Hunger die größte Todesursache

Um es mit den Worten der World Health Organization (WHO) auszudrücken: „Zwischen Hunger und Tod liegt fast immer eine Krankheit“. Das Verhungern ist eine extreme, potenziell tödliche Form der akuten Mangelernährung, die das Immunsystem schwächt und den Körper anfällig für Infektionskrankheiten wie Cholera, Malaria, Lungenentzündung und Masern macht. Mangelernährung, selbst in ihrer weniger extremen Form, hat langfristige Auswirkungen und äußert sich etwa durch körperliche und kognitive Entwicklungsbeeinträchtigungen, einen geringeren Bildungsstand und eine geringere Arbeitsproduktivität sowie ein erhöhtes Krankheits- und Sterberisiko.

Boy receives a nutrition assessment in DRD
Demokratische Republik Kongo: Ein WFP-Mitarbeiter misst den Armumfang eines Jungen bei einer Routineuntersuchung auf Mangelernährung in Kalemie. Foto: WFP/Arete/Fredrik Lernery

Sicherzustellen, dass Menschen sich ausreichend ernähren können, verringert nicht nur Leid und rettet Leben — es beugt auch langfristigen Gesundheitsproblemen vor. Dies ist in Konfliktsituationen besonders wichtig, wo der Zugang zu bedürftigen Familien schwierig ist. Deshalb arbeitet WFP daran, Hungersnöte durch gezielte Ernährungs- und Bargeldhilfe zu verhindern und abzumildern. Das hilft den Menschen dabei, ihre unmittelbaren Bedarfe zu decken, und stärkt gleichzeitig ihre längerfristige Widerstandsfähigkeit gegen künftige Hungerkrisen.

Jetzt lesen: Was WFP tut, um Hungersnöte zu verhindern