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Vier Frauen, ein Hubschrauber: Die Gesichter hinter dem humanitären Helikopter von WFP in Haiti

Mit dem Hubschrauber von WFP UNHAS können humanitäre Helfer*innen und Hilfsgütern selbst die abgelegensten Orte im Land erreichen
, WFP Deutsch
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Von links nach rechts: Isabel Ruiz-Zaera (Aviation Chief), Jovanie Laguerre (Aviation Officer), Danourah Bien-Aimé (Flugassistentin), Robine Jean-Baptiste (Flugassistentin). Foto: WFP/Antoine Vallas


Seit einem Jahr fliegt das UN World Food Programme (WFP) einen MI-8 AMT-Hubschrauber für die gesamte humanitäre Gemeinschaft in Haiti. Bisher hat der Helikopter des von WFP betriebenen humanitären Flugdienst UNHAS (United Nations Humanitarian Air Service) 3.000 humanitäre Helfer*innen und 60 Tonnen Fracht von 69 verschiedenen Organisationen in schwer zugängliche Gebiete im Land transportiert — darunter medizinisches Personal, Medikamente und Krankenhausausrüstung.


Damit der humanitäre Helikopter jeden Tag fliegen kann, sind 4 engagierte WFP-Mitarbeiterinnen im Einsatz: Isabel, Jovanie, Robine und Danourah managen jeden Aspekt des Flugbetriebs, von Buchungen und Zeitplan über Fluggenehmigungen, Last-Minute-Frachtanfragen und der Sicherheit bis hin zum Crewwechsel und der Überwachung von Wartung.


Isabel Ruiz-Zaera, Aviation Chief



„Als Kind lag ich auf unserer Terrasse und habe Stunden damit verbracht, die Flugzeuge über meinem Kopf zu zählen", sagt Isabel.


Für die Barcelonierin gab es nie einen anderen Beruf als die Luftfahrt. Nachdem sie mit 18 ihren Pilotenschein machte, begann sie schnell eine Karriere, die sie in den Himmel über der Elfenbeinküste, Afghanistan, Italien, Mali, Niger und jetzt Haiti trug.


„Als Kind lag ich auf unserer Terrasse und habe Stunden damit verbracht, die Flugzeuge über meinem Kopf zu zählen"


Isabel kam 2017 zu WFP, nachdem sie mehrere Stationen bei der UN-Abteilung für Friedenssicherungseinsätze absolviert hatte.


„Ich habe in meinem Job immer Spannung gebraucht", sagt sie. „In der Luftfahrt birgt jeder Tag neue Herausforderungen und man muss über den Tellerrand hinausschauen, um auf den ersten Schein Unmögliches zu schaffen." So fand sie kürzlich eine Lösung, um ein Röntgengerät nach La Gonave zu fliegen — eine abgelegenen Insel vor der Küste Haitis, wo die medizinische Infrastruktur besonders schlecht ist. „Es freut mich sehr, die vielen Dankes-E-Mails vom Leiter der medizinischen Organisation zu lesen, die wir unterstützen — ein einfacher Flug verändert das Leben einer Gemeinschaft. Das ist es, was mich am Morgen aufstehen lässt", sagt sie.


Auf die Frage nach ihrem Bruder, einem Geschichtslehrer in Barcelona, beginnt Isabel, seinen Namen im militärischen Alphabet zu buchstabieren: „LIMA, UNIFORM…" — sie unterbricht sich selbst.


„Ich meine L, U, I, S — Luis. Sein Name ist Luis."


Jovanie Laguerre, Aviation Officer


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Jovanie wurde in Jeremie, im Süden von Haiti, geboren. Jeremie ist mittlerweile eine regelmäßige Destination auf dem UNHAS-Flugplan. Foto: WFP/Antoine Vallas


„Mein erstes Mal in einem Helikopter war 2009. Ich hatte keine Angst", erinnert sich Jovanie.


Flugzeuge sind kein seltener Anblick in Jeremie, im Süden von Haiti, wo Jovanie aufgewachsen ist. Doch nach ihrem Studium der Betriebswirtschaftslehre und Industrietechnik kam sie eher zufällig zur Luftfahrt. Als die UN-Friedensmission (MINUSTAH) 2004 ihr Mandat antrat, bewarb sie sich um eine Stelle und wurde als Assistentin für Inspektion und Qualitätskontrolle eingesetzt, wo sie die Fähigkeiten erlernte, die ihr später einen Job im Luftfahrtteam einbrachten.


„Ich wusste noch nicht mal, dass WFP Helikopter hat."


Von ihren 15 Jahren in der Luftfahrt, verbrachte sie das letzte Jahr bei WFP. Dort kümmert sie sich um Buchungen, Flugpläne und Wartung.


„Ich wusste noch nicht mal, dass WFP Hubschrauber hat", sagt sie. „Ich dachte sie verteilen nur Essen."


Robine Jean-Baptiste, Flugassistentin


„Mein Onkel war in der Luftfahrt tätig, meine Mutter arbeitete für Air France", erinnert sich Robine. „Das liegt in der Familie", sagt sie.


Und doch hat Robine Jura studiert. „Ich sollte dieses Jahr mein Jurastudium beenden, aber es wurde wegen COVID-19 ausgesetzt", sagt sie. Also bewarb sie sich für einen Job bei WFP und fand sich bald auf dem UNHAS-Hubschrauber wieder. „Die Landschaften ließen mich vergessen, dass ich Angst hatte", gibt sie zu.


Als Flugassistentin hilft die 25-jährige Robine bei der Organisation und Überwachung von Flügen und leitet Passagiere und Fracht an Bord. Und sie hat sich nun entschieden, im Bereich Luftfahrt und Logistik zu bleiben. „Jeder Flug ist so aufregend wie der erste, und Ausrüstung zu Helfer*innen zu fliegen und humanitäre Mitarbeiter*innen zu Notfällen vor Ort zu bringen, gibt mir unendlich viel", sagt sie.


„Die Landschaften ließen mich vergessen, dass ich Angst hatte"


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Robine ist 25 Jahre alt und hilft dabei, Flüge zu organisieren und zu überwachen und leitet Passagiere und Fracht an Bord. Foto: WFP/Antoine Vallas


Danourah Bien-Aimé, Flugassistentin



„Privyet, kak dela?" („Hallo, wie geht's?") sagt Danourah jeden Morgen zu den russischen Piloten, wenn sie in den WFP-Hubschrauber steigt. Bevor sie zu WFP kam, hätte die 26-jährige Haitianerin nie gedacht, dass sie einmal ein Wort Russisch sprechen würde — schon gar nicht im Himmel über der Karibik. Aber das tut sie jetzt, als Flugassistentin für UNHAS.


Danourah wurde nicht als humanitäre Helferin geboren. Doch am 10. Januar 2010 wurde ihr Leben durch das Erdbeben erschüttert, das Haiti verwüstete und das Schicksal ihres Landes für immer verändern sollte: Mehr als 200.000 Menschen starben und Millionen wurden verletzt und aus ihrem Zuhause vertrieben.


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Danourah im WFP-Büro in Port au Prince, Haiti. Foto: WFP/Antoine Vallas


„Ich war mit meiner jüngeren Schwester in der Schule und kam gerade aus dem Sportunterricht, als der Boden zu beben begann. Wir rannten hinaus, kurz bevor das Gebäude einstürzte, aber erst als ich den Staub sah und die Schreie hörte, die aus der ganzen Nachbarschaft aufstiegen, verstand ich, wie ernst es war", erinnert sie sich.


Danourahs Vater, der damals für die UN-Friedensmission in Haiti (MINUSTAH) arbeitete, nahm sie am nächsten Tag in seinem Auto mit auf eine Fahrt durch die Stadt. „Wir hörten wochen-, vielleicht monatelang jede Nacht Schreie und Weinen aus der Stadt aufsteigen", sagt sie.


Ein paar Wochen nach dem Erdbeben meldete sich Danourah als Freiwillige in einem Waisenhaus, um sich um die überlebenden Kinder zu kümmern. Das war ihre erster Berührungspunkt mit sozialer Arbeit, die sie dann in die humanitäre Welt führte: 10 Jahre nachdem ihr Vater in einem Helikopter für die UN-Friedensmission MINUSTAH flog, fliegt sie nun ebenfalls auf einem UN-Hubschrauber.


Es ist kein Zufall, dass Danourahs Nachname, Bien-Aimé „geliebt" bedeutet.


WFP dankt Kanada, der Europäischen Union (ECHO), Frankreich, Deutschland, Spanien, der Schweiz und USAID für ihre großzügige und zuverlässige Unterstützung für die humanitären Dienstleistungen in Haiti, einschließlich des humanitären Flugdienstes UNHAS. UNHAS benötigt dringend 700.000 US-Dollar, um den Betrieb in Haiti fortzusetzen, und 4,4 Millionen US-Dollar, um die Hilfe 2021 aufrechtzuerhalten.


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Von links nach rechts: Isabel (Aviation Chief), Robine (Flugassistentin), Jovanie (Aviation Officer), Danourah (Flugassistentin). Foto: WFP/Antoine Vallas