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Wasser und Pflanzen gegen den Klimawandel

Im Süden der größten Wüste der Welt testen Gemeinschaften, wie sie mit Bäumen und Gemüse ausgetrocknete Böden nutzbar machen können
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Im Süden der größten Wüste der Welt testen Gemeinschaften, wie sie mit Bäumen und Gemüse ausgetrocknete Böden nutzbar machen können


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Der trockene Boden in der Region Batha in der Sahelzone im Tschad. Foto: WFP/Maria Gallar


Die Sahara ist die größte Wüste der Welt und hat sich in den letzten 100 Jahren um fast 10 Prozent ausgebreitet. Während sich alle Wüsten in der Trockenzeit ausdehnen und in der Regenzeit wieder schrumpfen, führt der Klimawandel dazu, dass die Sahara immer weiter wächst und immer weniger schrumpft.


Khalime Abderrasaoul lebt in dem Dorf Zobo südlich der Sahara, in der sogenannten Sahelzone. Die sechsfache Mutter arbeitet in einer Gärtnerei und züchtet dürreresistente Bäume für die umliegenden Dörfer in ihrer Region Batha im Tschad. In der ersten Jahreshälfte 2019 lieferte die Gärtnerei mit Khalimes Hilfe etwa 250.000 Baumsetzlinge für die Bewaldung in 20 Dörfern.


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Khalime bewässert die Setzlinge in der Gärtnerei und Baumschule in Zobo. Foto: WFP/Maria Gallar


„Hier gab es viele Büsche und Unkraut, deshalb haben wir zuerst alles gerodet. Dann haben wir Kompost gemacht und Samen in Töpfen aus Papier angepflanzt", erklärt Khalime.


„Die Arbeit in der Gärtnerei hier ermöglicht mir, etwas Geld für mich und meine Kinder zu verdienen und gleichzeitig brauchen wir Bäume, damit wir Schatten haben und sich die Sahara nicht weiter ausbreiten kann."


Samen sprießen nur sehr schwierig im Sahel, denn die Zone südlich der Sahara zwischen dem Atlantischen Ozean im Westen und dem Roten Meer im Osten ist größtenteils extrem trocken. Aber einige Pflanzen kommen mit dem Klima zurecht. Akazien und Moringabäume beispielsweise brauchen wenig Wasser und wachsen schnell. Die Gärtnerei in Zobo züchtet auch Obstbäume wie Tamarinden-, Mango- und Guavenbäume. Gerade Obstbäume werden langfristig den Hunger in der Region reduzieren, die häufig von Hungerkrisen heimgesucht wird.


Nicht weit von Zobo legen die Einwohner*innen des Dorfes Waldalmara einen neuen Wald an und nutzen dafür eine innovative Technik, um Regenwasser zu speichern und den Wald damit zu bewässern. Die lokale Bevölkerung hat hunderte ‚Halbmonde‘ — wie unten auf dem Bild — auf einer gemeinschaftlich genutzten Fläche von sieben Hektar gegraben.


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Halbmonde wie diese wurden auf sieben Hektar angelegt. Foto: WFP/Maria Gallar


Halbmonde sind kleine, halbkreisartige Gruben, die mit einfachen Schaufeln gegraben werden können. Im Inneren haben sie Aushöhlungen, in denen Regenwasser gespeichert werden kann. Bäume, Getreide und Gemüse werden in und um die Halbmonde gepflanzt und ermöglichen eine diverse, produktive und nachhaltige Nutzung des Landes, das vorher noch zu trocken war.


„Das Hauptproblem hier in Waldalmara ist Wasser. Es regnet nicht genug. Wir graben diese Halbmonde vor, weil wir einen Wald haben wollen. Ich hoffe, dass wir auch andere Pflanzen anbauen können, zum Beispiel Bohnen und Gurken", erklärt Araba Abdoulaye.


Die Menschen, die im gemeinschaftlichen Wald arbeiten, erhalten im Gegenzug Bargeld, damit sie sich Nahrungsmittel kaufen können.


„Bevor ich hier gearbeitet habe, verkaufte ich Holz. Manchmal konnte ich gar nichts verkaufen und musste ohne Geld zurück nach Hause gehen. Es war schwierig, meine Familie zu ernähren, weil ich sechs Kinder habe und mein Mann in der Stadt arbeitet", sagt Araba.


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Araba macht sich Sorgen um den Wassermangel. Foto: WFP/Maria Gallar


In der Nähe in Bréguet Birgui fällt von Oktober bis Mai kein Regen. Nur wenige Monate im Jahr können Nahrungsmittel angebaut werden.


Die Menschen graben bis zu 70 Meter tiefe Brunnen, aber selbst dann reichen die unterirdischen Quellen nicht für die Bewässerung des großen Gebiets aus. Und bisher gab es keine Möglichkeit, Wasser zu speichern.


Seit 2018 hat das UN World Food Programme (WFP) zweitausend Familien aus fünf Dörfern in und um Bréguet Birgui dabei unterstützt, Infrastruktur für besseres Wassermanagement aufzubauen. Mittlerweile können sie auf 773 Hektar Nahrungsmittel anbauen.


Zwei Wehre mit Staustufen ermöglichen die Steuerung des Batha-Flusses, wenn er in den Regenzeiten anschwillt. Der Fluss wird durch zwei kleine Deiche in drei Rückhaltebecken geleitet. Dank dieser Infrastruktur wird Wasser gespeichert, das auch während der Trockenzeit für die Landwirtschaft genutzt werden kann. Jetzt können die Menschen rund um Bréguet Birgui angemessen mit dem Hochwasser während der Regenzeit umgehen und sogar davon profitieren.


Auf Arabisch bedeutet „Sahara" Wüste und „Sahel" Küste. Die Region Batha befindet sich in dieser Sahelzone und grenzt direkt an die unwirtliche Umgebung der größten Wüste der Welt. An diesem Ort ist der globale Zusammenbruch des Klimas direkter und stärker spürbar als irgendwo sonst. Trotzdem haben die Menschen mit der effektiven Nutzung und Gestaltung ihrer natürlichen Ressourcen und ihrer schnellen Anpassung an extreme Bedingungen eine inspirierende Antwort auf den Klimawandel gefunden.


Die WFP-Programme zur Stärkung der Resilienz und Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel im Sahel sind dank der Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) möglich.


Mehr über die WFP-Hilfe für Klimaschutz hier und andere spannende Informationen über die WFP-Hilfe vor Ort hier.