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„Wenn der Konflikt so weiter geht, steht uns eine Katastrophe bevor“

Seit Dezember wurden 948.000 Menschen im Nordwesten Syriens aus ihrem Zuhause vertrieben. Nahi ist humanitärer Helfer einer WFP-Partnerorganisation in Idlib und beschreibt die Situation vor Ort.
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Achtzig Prozent der Vertriebenen im Nordwesten von Syrien sind Frauen und Kinder. Foto: /WFP Archiv


„Wenn der Konflikt so weiter geht, steht uns eine Katastrophe bevor.


Die Situation ist sehr schmerzhaft für alle, die in Idlib arbeiten. Am Ende des Tages möchtest man ins Bett gehen und zufrieden damit sein, alles versucht zu haben, um den Menschen zu helfen. Aber so viele neue Familien kommen in bereits überfüllten Camps an. Sie haben nichts und brauchen alles — Decken, Medikamente, Zelte und natürlich Essen.


Die Menschen sind verzweifelt und haben den Glauben an eine bessere Zukunft verloren.


Wir haben in den letzten Wochen tausende Familien gesehen, die in das nächste Dorf oder die nächstgelegen Stadt flüchten, in der Hoffnung, dass die Kämpfe aufhören und sie zurück nach Hause können. Sie riskieren auf der Flucht ihr Leben und müssen ihr gesamtes Erspartes für die extrem hohen Transportkosten ausgeben. Wenn sie die Flüchtlingscamps endlich erreichen, sind diese schon überfüllt.



Seit der Eskalation des Konfliktes sind die Preise für Benzin, Gas und Feuerholz dramatisch gestiegen und für die meisten Menschen nicht mehr bezahlbar. Häuser zur Miete sind teuer und schwer zu finden.


Ich habe ein Kind getroffen, kaum älter als 11 Jahre, das 5 Kekse hatte und Leute darum anbettelte, sie zu kaufen.


Vor Kurzem stieß ich auf einen Fall, bei dem sich 8 Familien auf kleinstem Raum in ein einziges Haus zusammenpferchen mussten. Familien schlagen Zelte mittlerweile an steinigen Berghängen auf und verbrennen Plastik und alte Kleidung, um sich warm zu halten. Aufgrund des Rauches haben einige Kinder Atemprobleme.


Letzte Woche habe ich einen Mann namens Adnan getroffen. Ich erinnere mich noch an seinen Namen, weil er mit seiner sechsköpfigen Familie die siebzig Kilometer aus Ma'saran auf dem Motorrad geflüchtet ist. Das Motorrad ist das Letzte, was ihnen noch geblieben ist. Niemand würde so etwas tun, wenn es nicht die letzte Chance wäre, zu überleben. Wir mussten schnell handeln, damit sie ein Zelt, ein paar Matratzen und Decken, sowie etwas Essen bekamen.



Ich habe selbst zwei Kindern. Wenn wir in einem Camp ankommen und Nahrungsmittel verteilen, stelle ich immer sicher, dass Kinder die höchste Priorität haben. Ich habe ein Kind getroffen, kaum älter als 11 Jahre, das 5 Kekse hatte und Menschen anbettelte, sie zu kaufen. Die Menschen sind verzweifelt und haben die Hoffnung auf eine bessere Zukunft aufgegeben. Sie ertragen einfach schweigend, wie es um sie geschieht.


Ich hoffe immer, dass das erste ist, was ich in der Früh höre, dass es in Syrien wieder Frieden gibt.


Die Arbeit, die wir hier tun, ist sehr wichtig und reicht trotzdem nicht. Ich hoffe immer, dass das erste ist, was ich in der Früh höre, dass es in Syrien wieder Frieden gibt. Ich hoffe, dass syrische Familien diese schreckliche Vertreibung nicht länger aushalten müssen, nach Hause zurückkehren und ein neues Leben anfangen können."



Das UN World Food Programme (WFP) arbeitet mit Partnern in Idlib und im gesamten Nordwesten Syriens zusammen. Aktuell unterstützt WFP 1,2 Millionen Menschen in der Region mit dringend benötigter Ernährungshilfe — 80% davon sind Frauen und Kinder. Drei Viertel der syrischen Bevölkerung leben in Armut und solange es keinen Frieden gibt, werden noch mehr Menschen den Preis für den andauernden Konflikt zahlen. Der Zugang zu den Menschen in Not muss offen bleiben, damit WFP und seine Partner weiterhin lebenswichtige Hilfe leisten können.


Die syrische Bevölkerung braucht unsere Hilfe mehr denn je.