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Südsudan: Hungerkrise verschärft sich

Foto: WFP/Gabriela Vivacqua
Konflikte und Vertreibung treiben die Krise voran – Hungersnot droht in besonders stark betroffenen Gebieten; fast 700.000 Kinder von schwerer, lebensbedrohlicher Mangelernährung bedroht.

ROM/NEW YORK, 28. April 2026 – Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), das UN-Welternährungsprogramm (WFP) und das UN-Kinderhilfswerk (UNICEF) warnen vor einer sich zuspitzenden Hungerkrise im Südsudan. Nach der neuesten Analyse der Integrierten Klassifikation der Ernährungssicherung (IPC) werden zwischen April und Juli 2026 rund 7,8 Millionen Menschen – das sind 56 Prozent der Bevölkerung – von akutem Hunger oder Schlimmeren (IPC‑Phase 3 oder höher) betroffen sein. Damit gehört der Südsudan zu den Ländern mit der weltweit höchsten akuten Ernährungsunsicherheit.

Unter den betroffenen Menschen leiden 73.300 Personen unter katastrophalem Hunger (IPC‑Phase 5) – der höchsten und gefährlichsten Stufe. Dies entspricht einem Anstieg um 160 Prozent gegenüber der letzten Schätzung. Weitere 2,5 Millionen Menschen befinden sich in der Notlage (IPC‑Phase 4), während 5,3 Millionen Menschen in der Krise (IPC‑Phase 3) sind.

Auslöser der Krise sind zunehmende Konflikte, massive Vertreibungen, wirtschaftlicher Niedergang, Klimaschocks, Überschwemmungen sowie eine landwirtschaftliche Produktion, die weit unter ihrem Potenzial bleibt. All diese Faktoren reduzieren die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln und schränken den Zugang der Familien zu ausreichend Nahrung stark ein. Allein im Bundesstaat Jonglei wurden nahezu 300.000 Menschen vertrieben, wodurch zahlreiche Gemeinschaften von humanitärer Hilfe abgeschnitten sind. Gleichzeitig verschärfen steigende Lebensmittelpreise, unterbrochene Märkte und die geringe Kaufkraft der Haushalte die Ernährungsunsicherheit weiter.

Zugleich nimmt die akute Mangelernährung zu, da der Zugang zu Gesundheits- und Ernährungsdiensten eingeschränkt ist. Viele Einrichtungen wurden infolge der Kämpfe beschädigt oder geschlossen. Zusätzlich führen Lieferengpässe und fehlende finanzielle Mittel dazu, dass lebensrettende Behandlungen nicht ausreichend verfügbar sind. Krankheitsausbrüche – unter anderem Cholera, Malaria und Masern – verschärfen die Situation weiter, insbesondere für ohnehin gefährdete und akut mangelernährte Kinder.

Die drei UN‑Organisationen warnen vor einem realistischen Risiko einer Hungersnot in vier Bezirken der Bundesstaaten Upper Nile und Jonglei. In konfliktbetroffenen Gebieten sind Menschen von Nahrungsmitteln, Märkten und grundlegenden Dienstleistungen abgeschnitten. Sollte es zu einer weiteren Eskalation der Gewalt, erneuten Vertreibungen und eingeschränktem humanitärem Zugang kommen, droht eine dramatische Verschärfung der Lage. Laut IPC‑Prognose könnten elf Bezirke in Upper Nile, Unity und Jonglei die akute Mangelernährungsphase 5 (extrem kritisch) erreichen. Zwar wird die humanitäre Hilfe in einigen Regionen ausgeweitet, doch bleibt ihre Abdeckung ungleichmäßig – viele Gemeinden sind weiterhin schwer oder gar nicht erreichbar.

Besonders alarmierend ist die Situation der Kinder. Derzeit leiden 2,2 Millionen Kinder im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren an akuter Mangelernährung – das sind 100.000 mehr als noch vor sechs Monaten. Bis Juli dieses Jahres könnten 700.000 Kinder von schwerer akuter Mangelernährung betroffen sein, der tödlichsten Form. Auch 1,2 Millionen schwangere und stillende Frauen sind akut mangelernährt, was sowohl für die Mütter als auch für ihre Babys ein erhebliches Risiko darstellt.

Zusätzlich verschlechtern Überschwemmungen und eine schwache landwirtschaftliche Produktion weiterhin die Versorgungslage mit Lebensmitteln.

FAO, WFP und UNICEF – gemeinsam mit den Clustern für Ernährung sowie Wasser-, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH) – appellieren eindringlich an die internationale Gemeinschaft und die Regierungen, sofort zu handeln. Nachhaltige Finanzierung für Nahrungsmittelhilfe, Ernährungsprogramme, sauberes Wasser, sanitäre Einrichtungen und Gesundheitsdienste ist entscheidend, um eine weitere Verschlechterung der Lage zu verhindern.

Alle Konfliktparteien müssen unverzüglich sicheren, schnellen und uneingeschränkten humanitären Zugang zu allen betroffenen Gebieten gewährleisten. Zudem fordern die Organisationen den Schutz der Zivilbevölkerung und die Ermöglichung lebensrettender Hilfslieferungen. Ohne rasche und umfassende Maßnahmen droht der Bevölkerung des Südsudan eine unumkehrbare humanitäre Katastrophe.


FAO‑Zitat

„Gerade jetzt dürfen wir die in den vergangenen Jahren mühsam erzielten Fortschritte nicht verspielen – insbesondere während der Südsudan daran arbeitet, seine Agrar- und Ernährungssysteme zu stärken und an ermutigende Entwicklungen in der lokalen landwirtschaftlichen Produktion anzuknüpfen. Diese Fortschritte sind jedoch äußerst anfällig für Konflikte, Unsicherheit und Klimaschocks – genau jene Faktoren, die die heutige Ernährungskrise antreiben. Wir müssen dringend und gemeinsam handeln, um Lebensgrundlagen zu schützen, die Nahrungsmittelproduktion zu sichern und zu verhindern, dass Millionen weiterer Menschen noch tiefer in den Hunger abrutschen“, sagte Rein Paulsen, Direktor des FAO‑Büros für Notfälle und Resilienz.


WFP‑Zitat

„Seit Beginn dieses Jahres verzeichnen wir einen deutlichen Anstieg der Gewalt in Jonglei und Upper Nile sowie wiederholte Blockaden unserer Bemühungen, die Menschen in diesen Gebieten zu erreichen“, sagte Ross Smith, Direktor für Notfälle und Vorsorge bei WFP. „Wir befinden uns in einem Wettlauf gegen die Zeit, um unsere Lieferungen in abgelegene Regionen zu beschleunigen und auszuweiten – insbesondere angesichts einer früh einsetzenden Regenzeit. Wir sind zutiefst besorgt um all jene, die wir aufgrund der anhaltenden Herausforderungen möglicherweise nicht erreichen können. Konflikte treffen Frauen und Kinder am härtesten. Diese Kinder sind die Zukunft des Landes – doch ohne dringende Unterstützung steht diese Zukunft auf dem Spiel. Wir müssen schnell und entschlossen handeln, um ihr Überleben und ihr Wohlergehen zu sichern.“


UNICEF‑Zitat

„Wir erleben eine tödliche Abwärtsspirale: 2,2 Millionen Kinder leiden an akuter Mangelernährung, und fast 700.000 von ihnen sind durch schweres Auszehren unmittelbar vom Tod bedroht. Jeder Tag, an dem humanitärer Zugang oder die Lieferung von Hilfsgütern verzögert wird, ist ein Tag, an dem das Leben und die Zukunft eines Kindes auf dem Spiel stehen. Wir fordern alle Konfliktparteien auf, rechtzeitigen und sicheren Zugang zu betroffenen Gebieten – auch zu Orten der Vertreibung – zu gewähren und Ernährungsmaßnahmen deutlich auszuweiten. Wenn wir Kinderleben retten wollen, müssen wir jetzt handeln“, sagte Lucia Elmi, UNICEF‑Direktorin für humanitäre Einsätze.

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