Skip to main content

Aus Neuhausen wird Tukastan: Humanitäre Helfer trainieren in Simulation für den Notfall

Neuhausen, Deutschland – Ab morgen kommen Nothelfer*innen aus 31 Organisationen für die gear.UP-Simulation nach Neuhausen. Dort trainieren sie vom 12. bis 18. Oktober 2019 für den Ernstfall, indem sie einen Hilfseinsatz im fiktiven Land Tukastan simulieren. Die Übung wird von den Clustern für Logistik und Notfall-Telekommunikation durchgeführt, die das UN World Food Programme (WFP) leitet.

Die große, organisationsübergreifende Katastrophenübung ist für seine Intensität bekannt und versetzt die Teilnehmer*innen in rigorose und realistische Notfallszenarien. Die Übung soll die zwei Eckpfeiler jedes humanitären Einsatzes stärken: Logistik und Telekommunikation.

Teilnehmer*innen der Simulationen von 2017 und 2018 konnten ihr Wissen später in großen Krisen in die Tat umsetzen, etwa nach Zyklon Idai in Mosambik, Malawi und Simbabwe.

„Ich war in einem der ersten Flugzeuge, die nach dem Zyklon in Beira in Mosambik landeten. Die Ähnlichkeiten zwischen den ersten Tagen in Beira und der gear.UP-Übung waren außergewöhnlich, es war fast wie ein Spiegelbild, aber diesmal war es eben keine Übung, sondern Realität. Wir hatten keinen Strom, keine Kommunikation und die logistische Infrastruktur war erheblich beschädigt", sagte Patrick McKay, zuständig für Informations- und Kommunikationstechnologie bei WFP.

„Die größte Stärke von Gear.UP ist, wie real es ist. Die Teilnehmer*innen stehen ununterbrochen unter Hochdruck, aber je größer die Herausforderung wird, desto mehr arbeiten sie zusammen und übernehmen auch Verantwortung außerhalb ihres Fachwissens, damit die Aufgaben gelöst werden können. Und das ist auch die Realität in der Nothilfe", sagte Julie Van der Weil, die nach dem Zyklon Idai als Koordinatorin für den Logistiksektor in Malawi tätig war.

Zusammenarbeit ist ein Schwerpunkt der Übung und unabdingbar, um betroffene Gemeinschaften in Notfällen schneller zu erreichen.

„Über unsere technischen Kapazitäten hinaus übersehen wir oft die Soft-Skills, die wir für die physischen und psychischen Anforderungen in komplexen humanitären Notfällen brauchen. Gear.UP ermöglicht es unseren Kolleg*innen aus beiden Clustern, nicht nur ihr technisches Know-how einzubringen, sondern vor allem Seite an Seite zu arbeiten, sich abzustimmen und aufeinander zu achten. Und das ist der Schlüssel für eine starke und effektive Zusammenarbeit in zukünftigen Krisen", sagte Enrica Porcari, Vorsitzende des Clusters für Notfall-Telekommunikation, CIO und Direktor der WFP-Abteilung für Technologie.

Das Training ist eine der weltweit größten humanitären Simulationen und eine der wichtigsten Übungsmöglichkeiten für die Cluster für Logistik und Notfall-Telekommunikation.

„Humanitäre Krisen werden immer länger und komplexer und der Klimawandel erhöht die Häufigkeit und Intensität von Naturkatastrophen. Bei jedem Nothilfe-Einsatz spielen Logistik und Telekommunikation eine lebensrettende Rolle, weil hunderte humanitäre Helfer*innen vor Ort davon abhängig sind. Gear.UP ist eine wichtige Gelegenheit, einige dieser Einsatzkräfte zusammenzubringen und ihre Fähigkeiten im Team zu verbessern", sagte Jakob Kern, Leiter der Abteilung Lieferketten bei WFP.

Die Simulation wird von der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) ausgerichtet, vom Auswärtigen Amt und der luxemburgischen Regierung kofinanziert und von Ericsson unterstützt. Organisiert wird die Veranstaltung von den Clustern für Logistik und Notfall-Telekommunikation, Emergency.LU und dem THW.