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Gemeinsame Pressemitteilung – OCHA/FAO/WFP/UNICEF: Hungerkrise in Somalia verschärft sich – Risiko einer Hungersnot wächst

Die Ernährungslage in Somalia verschlechtert sich weiter. Erstmals seit der Krise von 2022 besteht wieder ein konkretes Risiko einer Hungersnot – ausgelöst durch mehrere gleichzeitig wirkende Krisen.

Mogadischu, Somalia – FAO, OCHA, UNICEF und WFP warnen vor einer sich schnell zuspitzenden Hungerkrise in Somalia. Zwischen April und Juni 2026 werden voraussichtlich rund 6 Millionen Menschen – etwa 31 Prozent der Bevölkerung – von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sein (IPC Phase 3 oder höher).

Besonders alarmierend ist die Lage von Kindern: Etwa 1,9 Millionen sind von akuter Mangelernährung betroffen. Davon leiden rund 493.000 an schwerer akuter Mangelernährung und haben ein bis zu zwölfmal höheres Sterberisiko als gut ernährte Kinder.

Fast 1,9 Millionen dieser Menschen befinden sich bereits in einer Notlage (IPC Phase 4) – eine Zahl, die sich laut dem jüngsten Analysebericht der Integrierten Klassifizierung der Ernährungslage (IPC) in weniger als einem Jahr verdreifacht hat. Im Bezirk Burhakaba in der Region Bay im Südwesten Somalias besteht sogar ein konkretes Hungersnot-Risiko. Sollte die Regenzeit von April bis Juni ausbleiben, die Lebensmittelpreise weiter stark steigen und humanitäre Hilfe nicht ausgeweitet werden, könnte sich die Lage dramatisch verschärfen. Schon jetzt sind dort fast 40 Prozent der Kinder unter fünf Jahren akut mangelernährt.

Dies ist die erste Analyse des Hungersrisikos seit 2022. Damals konnte eine Katastrophe durch massive humanitäre Hilfe noch verhindert werden. Heute treiben mehrere Faktoren die Krise gleichzeitig an: anhaltende Dürre, Unsicherheit, stark eingeschränkte humanitäre Unterstützung, die Folgen des Konflikts im Nahen Osten sowie ein wachsendes Überschwemmungsrisiko. Lebensmittelpreise sind – unter anderem wegen steigender Treibstoffkosten und gestörter Lieferketten – um bis zu 20 Prozent gestiegen. Viele Familien können sich kaum noch ausreichend Nahrung leisten.

Gleichzeitig hat ein massiver Rückgang der finanziellen Mittel dazu geführt, dass wichtige humanitäre Hilfsangebote eingeschränkt wurden. Mehr als 500 Gesundheits- und Ernährungszentren mussten landesweit schließen. Krankheiten breiten sich aus, und das Sterberisiko steigt. Die Zahl der Masernfälle hat sich zwischen Januar und März 2026 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt – besonders betroffen sind ohnehin geschwächte und mangelernährte Kinder.

Zwar wird die Hilfe in besonders gefährdeten Regionen wie Burhakaba verstärkt, doch insgesamt erreicht sie viel zu wenige Menschen: Fast 90 Prozent der Bevölkerung erhalten derzeit kaum oder gar keine Unterstützung. Der humanitäre Aktionsplan für Somalia 2026 ist bislang nur zu etwa 15 Prozent finanziert.

Zudem deuten Wetterprognosen auf ein El‑Niño‑Phänomen hin, das später im Jahr schwere Überschwemmungen auslösen könnte. In einigen Regionen steigen die Wasserstände bereits jetzt ungewöhnlich stark an. Zusammen mit den Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten und der unzureichenden finanziellen Unterstützung wird erwartet, dass Hunger und Mangelernährung mindestens bis Ende 2026 auf hohem Niveau bleiben

FAO, OCHA, UNICEF und WFP rufen daher dringend dazu auf, lebensrettende Hilfe massiv auszuweiten – insbesondere in den Bereichen Ernährung, Gesundheit, Wasser, Hygiene und sanitäre Versorgung. Um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern, sind verlässliche und ausreichende finanzielle Mittel entscheidend.

„Die aktuellen Zahlen zeichnen ein erschreckendes Bild: Immer mehr Kinder leiden an Mangelernährung, und in Burhakaba besteht bereits ein bestätigtes Hungersnot-Risiko. Ohne sofortige und anhaltende Unterstützung droht eine Katastrophe, die verhindert werden könnte. Wir müssen jetzt handeln – schnell und in großem Maßstab“, sagt George Conway, Humanitärer Koordinator für Somalia.

Auch FAO-Vertreter Etienne Peterschmitt warnt: „Somalia steht an einem Wendepunkt. Die langanhaltende Dürre hat Lebensgrundlagen zerstört, gleichzeitig treiben Konflikte die Preise für Lebensmittel und Treibstoff in die Höhe. Hinzu kommt ein wachsendes Risiko schwerer Überschwemmungen. Die Menschen stehen erneut am Rand einer Hungersnot. Sich überschneidende und wiederkehrende Krisen belasten die gefährdeten Gemeinschaften noch stärker. Wir sind uns bewusst, dass die Ressourcen knapper sind als je zuvor, aber wir müssen jetzt handeln und in ausreichendem Umfang reagieren, um Leben und Lebensgrundlagen zu retten, insbesondere in ländlichen Gebieten, wo der Bedarf am größten ist.“

„In ganz Somalia sehen sich Kinder einer sich rasch verschärfenden Krise gegenüber, und die Zeit läuft ab. Auch wenn die Gemeinschaften und die Helfer an vorderster Front eine hohe Widerstandsfähigkeit zeigen, können sie es nicht alleine schaffen. UNICEF weitet die lebensrettende Hilfe dringend aus. Mit schnellem Handeln können wir noch Leben retten und das Recht jedes Kindes auf Überleben und eine gute Entwicklung wahren“, sagt die UNICEF-Vertreterin in Somalia, Sandra Lattouf.

Wir erreichen einen Punkt, an dem jede weitere Verzögerung Menschenleben kosten kann. Viele Familien haben keine Reserven mehr. Hilfe ist stark begrenzt, und immer mehr Kinder geraten in lebensbedrohliche Mangelernährung. Wir sind bereit, unsere Unterstützung sofort auszuweiten – aber ohne zusätzliche Mittel droht lebensrettende Hilfe genau dann zu enden, wenn sie am dringendsten benötigt wird“, sagt Hameed Nuru, WFP-Landesdirektor in Somalia.

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Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) ist die größte humanitäre Organisation der Welt im Kampf gegen den Hunger. Wir retten Leben in Notfällen und ebnen mit Ernährungshilfe den Weg zu Frieden, Stabilität und Wohlstand für Menschen, die von Konflikten, Katastrophen und den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind.

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