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Klimaschocks im südlichen Afrika verschärfen sich: UN-Organisationen fordern dringend mehr Unterstützung für Hungernde

Eine Frau erhält Bargeld bei einer WFP-Verteilstelle in Maheny (Beloha-Region), Madagaskar.
Eine Frau erhält Bargeld bei einer WFP-Verteilstelle in Maheny (Beloha-Region), Madagaskar. Foto: WFP/Giulio D'Adamo
Johannesburg – In den kommenden sechs Monaten droht im südlichen Afrika so vielen Hunger wie noch nie: 45 Millionen Menschen in den 16 Ländern der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika sind betroffen, warnen die Ernährungsorganisationen der Vereinten Nationen (UN).

Die Food and Agriculture Organization (FAO), der International Fund for Agricultural Development (IFAD) und das UN World Food Programme (WFP) fordern dringend mehr finanzielle Hilfe, um eine schwere Hungerkrise abzuwenden. Gleichzeitig rufen sie die internationale Gemeinschaft dazu auf, ihre Investitionen in langfristige Maßnahmen zur Bekämpfung der Auswirkungen von Klimaschocks zu verstärken und die Kapazitäten der Gemeinschaften und Länder auszubauen.

In neun Ländern des südlichen Afrikas befinden sich derzeit mehr als 11 Millionen Menschen auf der „Krisen"- oder „Notfall“-Stufe der IPC-Skala zur Ernährungssicherheit. Dazu zählen: Angola, Simbabwe, Mosambik, Sambia, Madagaskar, Malawi, Namibia, Eswatini und Lesotho.

„Wir hatten während der Anbauzeit die schlimmste Dürre seit 35 Jahren", sagte Margaret Malu, stellvertretende WFP-Regionaldirektorin für das südliche Afrika. „Wir müssen dringend die Ernährung von Millionen Menschen sichern, aber auch die Widerstandsfähigkeit derjenigen aufbauen, die immer häufiger von schwereren Dürren, Überschwemmungen und Stürmen bedroht sind." 

Das südliche Afrika verzeichnete nur in einer der letzten fünf Anbauzeiten normale Niederschläge. Anhaltende Dürren, Wirbelstürme und Überschwemmungen haben verheerende Auswirkungen auf die Ernten in einer Region, die überwiegend auf die regenabhängige Produktion der Kleinbäuer*innen angewiesen ist. Die wachsende Hungerkrise, von der sowohl städtische als auch ländliche Gemeinden betroffen sind, wird durch steigende Nahrungsmittelpreise, große Viehverluste und zunehmende Arbeitslosigkeit verschärft.

Die UN-Organisationen weiten ihre Hilfe in den neun Ländern aus und planen, bis Mitte 2020 mehr als 11 Millionen Menschen zu erreichen. FAO und WFP werden nicht nur dringende Ernährungshilfe leisten, sondern auch Tierbestände gegen Krankheiten impfen. Kleinbäuer*innen wird dabei geholfen, ihre Produktion zu steigern und die Verluste zu verringern, Böden und Wasserressourcen nachhaltig zu bewirtschaften und klimaschonend anzubauen. Außerdem sollen sie besseren Zugang zu Betriebsmitteln wie Dünger oder Saat, Krediten und Märkten erhalten.

„Späte Regenfälle, ausgedehnte Trockenperioden, zwei große Zyklone und wirtschaftliche Herausforderungen haben sich zu einer Katastrophe für die Ernährung und die Lebensgrundlagen im gesamten südlichen Afrika angehäuft", sagte Alain Onibon, FAO-Koordinator für das südliche Afrika. „Weil viele landwirtschaftliche Gemeinschaften mindestens zwei bis drei Vegetationsperioden brauchen werden, bis sie wieder zu einer normalen Produktion zurückkehren können, benötigen sie sofort Hilfe. Wir müssen die Nothilfe in der Landwirtschaft jetzt sofort verstärken. Wir müssen sicherstellen, dass Bäuer*innen und Hirt*innen die prognostizierten guten Regenfälle nutzen, sofern sie wirklich eintreten, weil sie sonst ihre Lebensgrundlagen nicht wiederaufbauen können."

Die Temperaturen steigen laut dem International Panel on Climate Change im südlichen Afrika doppelt so stark wie im weltweiten Durchschnitt. In der Region liegen sechs der neun afrikanischen Länder, die in den kommenden Jahren am stärksten von Extremwetter betroffen sein werden: Demokratische Republik Kongo, Malawi, Mosambik, Sambia, Simbabwe und Tansania.

„Da die Region so anfällig für Schocks und gleichzeitig von chronischem Hunger, Ungleichheit und struktureller Armut betroffen ist, ist der Klimawandel ein existenzieller Notfall, der größte Dringlichkeit hat", sagte Robson Mutandi, IFAD-Direktor für den Southern Africa Hub. „Nationale Regierungen müssen die größte Rolle spielen, aber wir alle müssen mehr leisten, weil es jeden einzelnen von uns betrifft."

Humanitäre Hilfe mit längerfristiger Entwicklung zu verknüpfen ist von entscheidender Bedeutung, um wiederkehrende Krisen zu überwinden und die Ursachen für Armut und Hunger zu bekämpfen. Mit nachhaltiger Finanzierung können Gemeinschaften und Länder ihre Widerstandsfähigkeit gegen zukünftige Schocks stärken.